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Chronos Heilsgeschichten, Fachbücher von Aleksandra Prica
Einleitung: Der wachsende Text. Erinnerung und Selbstimagination. Medialität und Materialität. Medium - Form - Ereignis. Medialität der Schrift. Umwege der Exegese: Exegetische Komposita in Augustinus' I. Buchstabentreue und II. Stufen der Exegese. III. Wiedererzählen und Auslegen. IV. Auslegungsprozess und Epochenschwelle. V. Unmöglichkeit einer Auslegung und die Macht der Exegese. Exegese und Poetik: Kulturelle Produktivität der Exegese im Werk Hugos von St. Viktor. I. Institutionalisierung und Exegese. II. Ästhetisierung und Exegese: 1. Metamorphosen der Metapher. 2. Verhüllen und Enthüllen - Strategien der Selbstlegitimierung. 3. Der Exeget als Schöpfer? 4. Ästhetisierung und Exegese zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. III. Figura - Zeit - Wahrheit: 1. Zur Zeitbezogenheit wörtlicher und figuraler Auslegung bei Augustinus. 2. Zum Wahrheitsbezug der figura bei Hugo von St. Viktor. IV. Poetisierung und Exegese. Exegetische Ostentation: Zu zwei exegetischen Begriffen bei Augustinus und Hugo von St. Viktor. Poetik und Exegese: Modelle der Heilsvermittlung. I. Wort und Ereignis: 1. Paradoxierung der Zeitverhältnisse. 2. Dignisierung des Worts. 3. Kommentar und Prophetie. 4. Textualität und Rahmung. II. Zeugnis und Zeugenschaft: 1. Das Wunder des blossen Worts. 2. Kontinuität und Diskontinuität. 3. Text und Bild. Schluss.
Chronos Feuerphilosophen, Fachbücher von Sabine Baier
Angetrieben von der Hoffnung auf Reichtum, Macht und ein langes, gesundes Leben, sind wir mehr denn je fasziniert von der natur- und technikwissenschaftlichen Machbarkeit des Neuen. Das vermeintlich Andere, das sogenannte vormoderne Denken, bietet sich als historische Kontrastfolie und philosophisches Korrektiv an, wenn es darum geht, die Frage nach dem Wesen des Neuen nicht vorschnell mit der Frage nach dem Wesen des technologischen Fortschritts zu verknüpfen. Ausgehend von einer Fallstudie zu einem zentralen Werk der frühneuzeitlichen Transmutationsalchemie, dem Rosarium Philosophorum (1550), setzt sich die vorliegende Arbeit philosophisch mit Vorstellungen über die Machbarkeit und das Wesen des Neuen auseinander. Dabei spielt die ebenso vielfältige wie deutungsbedürftige Rezeptionsgeschichte der Alchemie bis ins 20. Jahrhundert, etwa bei Denkern wie Alexandre Koyré und C. G. Jung, eine wichtige Rolle.
Chronos Das Erbe der Moderne weitergeben, Sachbücher
Um Pierre Boulez kommt nicht herum, wer die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts verfolgt. Als Komponist und Dirigent, aber auch als Manager und Musikvermittler, ist der 84-Jährige eine herausragende Figur. Seit dem Sommer 2004 gibt er seinen immensen Erfahrungsschatz im Rahmen der Lucerne Festival Academy einer jungen Generation weiter. Höhepunkt und Abschluss der Academy 2008 war das Sinfoniekonzert vom 5. September im Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrums Luzern. Uraufführungen zweier junger Komponisten, Werke der beiden Altmeister Luciano Berio und Elliott Carter sowie der epochale Sacre du printemps von Igor Strawinsky standen auf dem Programm. Diese anderthalb Stunden klingende Musik, dokumentiert auf CD, beleuchtet die Monographie aus wechselnder Perspektive. Die Akteure, Musikerinnen wie Hörer, kommen ebenso zu Wort wie die Musik als Klangereignis selbst. Entsprechend vielfältig - von der teilnehmenden Beobachtung bis zur computergestützten Interpretationsanalyse - sind die angewandten Methoden. Dabei umkreist die Phono-Monographie das Konzert auf verschiedenen Flugbahnen, was bald eine Nahsicht ermöglicht, bald einen Überblick gestattet.
Chronos Krieg, Souveränität und Demokratisierung, Sachbücher
Liechtenstein wurde im Ersten Weltkrieg von direkten Kriegshandlungen verschont, hatte jedoch aufgrund der engen Beziehungen zu Österreich-Ungarn unter wirtschaftlicher Not zu leiden. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie musste sich das Land neu orientieren. Die Monarchie stand für Kontinuität und wurde nicht in Frage gestellt. Doch forderte die Opposition unter dem Schlagwort 'Liechtenstein den Liechtensteinern' eine Demokratisierung der verkrusteten politischen Strukturen sowie eine wirtschaftliche Neuausrichtung auf die Schweiz. Die vorliegende Edition macht ausgewählte Dokumente in gedruckter Form zugänglich. Die verwendeten Quellen, amtliche Dokumente aus dem Liechtensteiner Landesarchiv, Zeitungsberichte, Landtagsprotokolle und anderes, geben Argumente der Akteure wieder und lassen Wertungen und Emotionen erkennen. Einige dieser Texte hatten für die Akteure richtungsweisenden Charakter, andere werfen eher ein Schlaglicht auf alltägliche Situationen und Ereignisse.
Chronos Lichtduschen, Fachbücher von Niklaus Ingold
1975 endete das Zeitalter der Höhensonne. Neuartige Solarien verdrängten die unter diesem Verkaufsnamen bekannten Ultraviolettlampen aus dem Markt für elektrische Konsumgüter. Die Elektroindustrie hatte seit den 1920er Jahren Höhensonnen für Selbstbestrahlungen an Privatpersonen vermarktet. Solche Lichtduschen dienten der Produktion moderner Leistungs- und Konsumkörper. Anders als bei den neuen Sonnenbänken ging es bei den älteren Ultraviolettlampen nicht einfach um die Verschönerung des Körpers. Die Medizin des 20. Jahrhunderts präsentierte Lichtstrahlen immer wieder als mächtige Grössen mit Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Vor dem Ersten Weltkrieg waren mit Glühbirnen beheizte Schwitzkästen beliebte Kurmittel. Nach 1980 wurde helles Licht zu einem Therapeutikum bei der Behandlung psychischer Störungen. Dazwischen galt die Aufmerksamkeit dem Ultraviolettlicht.
Seit einigen Jahren wird die Verwicklung der Schweiz in die Politik des Dritten Reichs und in dessen Nachgeschichte debattiert. Im Zentrum des öffentlichen Interesses, das sich auf pekuniäre Aufrechnung und Abgeltung richtet, stehen wirtschaftliche Beziehungen. Dass diese Verwicklungsgeschichte nicht nur Finanzinstitute und politische Instanzen, sondern auch universitäre Institutionen und insbesondere geisteswissenschaftliche Disziplinen betrifft, liegt auf der Hand, obschon entsprechende Untersuchungen weitgehend ausstehen. So lohnt es sich gerade für eine jüngere Generation von Germanistinnen und Germanisten, sich mit der Geschichte ihres Fachs im eigenen Land auseinanderzusetzen. Die Germanistik in der Schweiz hat sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert intensiv sowohl um die Anpassung an die deutschen Wissenschaftlichkeitskriterien als auch um die Definition eines eigenen Gegenstandsbereichs bemüht. Diese Doppelstrategie von Anpassung und Abgrenzung ist vor allem in der Zeit zwischen 1933 und 1945 auf eine schwere Probe gestellt worden. Die Beiträge dieses Bandes aus sämtlichen germanistischen Teildisziplinen (Mediävistik, Neuere Literatur, Linguistik) zeichnen die Vor- und Nachgeschichte dieser komplexen wissenschaftshistorischen Situation nach. Dabei wird deutlich, in welch problematischer Weise sich die Fachpolitik im Kontext der geistigen Landesverteidigung gestaltet hat. Die Schweizer Germanistik wird so als krisenanfälliges Projekt nationaler Identitätssuche im politischen und gesellschaftlichen Kontext und in ihren ideologiegeschichtlichen Zusammenhängen untersucht.
Chronos Stadtgestalt und Stadtgesellschaft, Ratgeber von Laura Fasol
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelten sich europäische Städte in sozialer, politischer, wirtschaftlicher und städtebaulicher Hinsicht grundlegend. Dieses Buch untersucht die Auswirkungen dieses Wandels auf die Konstruktion von Stadtidentitäten am Beispiel von Winterthur, Luzern und Bern. Die drei Städte stehen für Typen, die im 19. Jahrhundert entstanden sind: Winterthur war eine moderne Industriestadt, Luzern die wichtigste städtische Tourismusdestination in der Schweiz und Bern als Bundeshauptstadt ein Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum. Die Autorin analysiert die Selbstdarstellung dieser drei Städte anhand vielfältiger Quellen, unter anderem Postkarten, Fremdenblättern, Festschriften, Reiseführern, Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Vereinsprotokollen. Sie erläutert die Prozesse der Identitätsbildung und fragt nach Unterschieden: Welche Ziele verfolgten die jeweiligen Akteure? Gibt es Charakteristika, die die Konstruktionen prägten? Wie beeinflussten Stadtidentitäten den Städtebau und die Wirtschaft? Die Studie zeigt, dass drei Aspekte in den untersuchten Städten auf je eigene Weise zentral waren: der Geschichtsbezug, der Umgang mit Modernisierung und die Hervorhebung der Natur.
Um die Frage, was konsumiert werden darf, kreisen zurzeit viele gesellschaftliche Debatten. Was ist gut, korrekt, richtig, sozialverträglich, umwelt- und tiergerecht und auch gesund? Was machen Menschen, wenn sie ethisch konsumieren? Welche Bedeutungen messen sie dem Konsum bei und wie sprechen sie darüber? Als ethisch verstanden wird all das, was die Konsument:innen selbst als gut oder richtig begreifen. Narrative Interviews, das Reden über Konsum, bilden die Basis für die Studie. Die Sicht der Akteur:innen öffnet den Blick auf gesellschaftliche (Aus-)Handlungsfelder, die durch teilnehmende Beobachtung und mit medialen Quellen untersucht werden. Entlang der Schlüsselkategorien Knowing, Doing und Showing werden Wechselbeziehungen zwischen Wissensbeständen, praktischem Handeln und performativer Narration auf einer subjektzentrierten, alltäglichen Ebene ausgeleuchtet und Funktionen ethischen Konsums vorgestellt. Die entwickelten Interpretations- und Deutungsmöglichkeiten erlauben es, ethischen Konsum neu zu denken. Darüber hinaus liefert das Buch Einsichten, wie Vorstellungen und Aushandlungen von korrektem Handeln erforscht werden können.
Katrin Luchsinger ist Kunsthistorikerin mit Lehrdiplomen für bildnerische Gestaltung und Heilpädagogik. Sie ist Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste und leitet interimistisch das Institute for Art Education. Zudem ist sie Projektleiterin des Forschungsprojektes 'Bewahren besonderer Kulturgüter'. Derzeit schreibt sie eine Doktorarbeit über die Werke von Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Kliniken in der Schweiz von 1850 bis 1920.
Chronos Interniert, Sachbücher von Marie-Isabelle Bill
Sie hiessen Stanisław und Margrit, Tadeusz und Paula, Franciszek und Yvonne. Mitten im Zweiten Weltkrieg trafen in der Schweiz internierte polnische Flüchtlinge auf Schweizer Bürgerinnen – ihre Liebe aber war verboten. Gleichwohl fanden sie zueinander, Kinder wurden gezeugt, mit und ohne Trauschein, mehrere Hundert polnisch-schweizerische Familien entstanden. Mitte Juni 1940 gewährte die Schweiz 12.500 polnischen Soldaten Schutz als Internierte und nahm während des Krieges auch polnische Zwangsarbeiter oder Flüchtlinge aus Nazideutschland auf. Die Einheimischen akzeptierten die Internierten bereitwillig. Trotz eines entsprechenden Verbots entstanden viele polnisch-schweizerische Beziehungen und Ehen. Manche scheiterten, viele glückten. Schweizerinnen verloren bei der Heirat mit einem Ausländer ihr Bürgerrecht. Vor den Paaren lag eine ungewisse Zukunft. Sie mussten ausreisen, suchten ihr Glück in Frankreich, England oder Übersee, manche in Polen. Einige kehrten in die Schweiz zurück. Andere konnten oder wollten nicht heiraten. So kam es zu unehelichen Kindern, den „Polenkindern“. Die Geschichten dieser Familien sind traurig und glücklich, aufregend oder normal. Sie zeigen die mannigfaltigen Ursprünge polnisch-schweizerischer Verbindungen und die Spuren, die Krieg, Flucht und Internierung im Leben hinterlassen.
Das Buch "Wohnen ist keine Ware" bietet eine umfassende Dokumentation des innovativen Entstehungsprozesses eines nachhaltig konzipierten Quartiers am Zürichsee. Die Publikation beleuchtet die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der Bauherrschaft, Architekt:innen und Expert:innen, die seit 2010 an der Realisierung dieses Projekts arbeiten. Mit dem Ziel, eine sozial gerechte und klimafreundliche Wohnumgebung zu schaffen, werden rechtliche und mentale Hürden überwunden. Die ersten 30 Wohnungen sind bereits bewohnt, und das Quartier entwickelt sich weiter. Diese Publikation ist nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch eine Inspiration für zukünftige Bauvorhaben, die den Fokus auf Lebensqualität und Nachhaltigkeit legen. Sie richtet sich an alle, die sich für soziale Wohnkonzepte und innovative Stadtentwicklung interessieren.
Die Schneiderin Anna Z. verfasste 1916 in der Pflegeanstalt Rheinau eine packende Lebensbeschreibung. Diese gewährt Einblicke in das unstete Leben einer Frau, die versuchte, berufliche Passion, Unabhängigkeit und Heirat, Liebe, Sexualität und Mutterschaft zu vereinen. Der Bericht gibt zudem Aufschluss über das komplexe Konstrukt „Wahrheit“ im Leben einer Anstaltspatientin, einer Insassin des „Irrenhauses“. Anna Z. (1864-1938) war das elfte von sechzehn Geschwistern. Ihre Mutter starb, als sie klein war, und von da an sorgte die älteste Schwester Berta für die Geschwisterschar. In der Schule fiel Anna Z. durch ihre Wildheit auf und wurde deshalb für vier Jahre in ein Erziehungsheim gesteckt. Sie absolvierte eine Schneiderinnenlehre und heiratete jung einen wohlhabenden Bauern. In der neuen Umgebung fiel sie auf, weil sie oft allein mit Pferd und Wagen unterwegs war.
Die Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) gehört zu den für die Schweiz typi-schen leistungsfähigen Schmalspur-S-Bahnen; sie transportiert im Jahr mehr als sechs Millionen Reisende in den beiden Tälern südlich von Aarau. Ihre vollständige Integration ins hochgetaktete Schweizer Eisenbahnwesen der Gegenwart lässt vergessen, dass die WSB und ihre beiden Vorgängerbahnen, die Aarau-Schöftland-Bahn (AS) und die Wynentalbahn (WTB), über eine reiche und wechselhafte Geschichte verfügen, die bis in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts zurückreicht. Die AS und die WTB nahmen im Zuge der Ergänzung des damaligen Schweizer Normalspurbahnnetzes in den Jahren 1901 beziehungsweise 1904 ihren Betrieb als elektrische Überlandstrassenbahnen auf, zu jener Zeit das modernste Verkehrssystem. Hinter beiden Bahnen standen ursprünglich weiter reichende Ambitionen. So war die WTB im Vorfeld des Baus der Alpentransversale als Gotthardzubringer gedacht. Ihre Initianten hofften auch, die im Wynental grassierende Abwanderung in die Schweizer Industrie-städte und nach Übersee stoppen zu können. Diese Wurzeln machen die beiden Bahnen zu einer geeigneten Projektionsfläche für die Untersuchung der aargauischen Eisenbahnpolitik und unterschiedlichster Entwicklungen des Schweizer Eisenbahnwesens ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwar wurden auch sie in den Krisen des 20. Jahrhunderts durchgeschüttelt, im Gegensatz zu vielen anderen Schmalspurbahnen überlebten sie jedoch. Der Autor beschreibt die Geschichte von AS, WTB und WSB ab den 1870er--Jahren bis 1980, als mit der Einführung des Taktfahrplans und der Bildung festgekuppelter Zweierpendel zwei wesentliche Voraussetzungen für den Betrieb der WSB als S-Bahn erfüllt werden konnten.
Mit dem Kriegseintritt der Amerikaner im Frühjahr 1917 nahm der Erste Weltkrieg seine entscheidende Wende: Die Machtbalance verschob sich nach Westen und das Deutsche Kaiserreich verlor den «grossen Krieg». Die Schweiz wurde von dieser Entwicklung direkt erfasst. Erstmals in ihrer Geschichte musste sie sich auf eine aussereuropäische Macht einstellen. Doch der Kleinstaat lernte rasch: Er wandte sich vom einstmals bewunderten Kaiserreich ab und suchte den Anschluss an die USA als die kommende Supermacht des 20. Jahrhunderts. Das Buch erzählt die spannungsreiche Geschichte der letzten beiden Kriegsjahre, in denen sich die Schweiz zwischen den Fronten der Weltmächte befand. Im Ringen um die globale Vorherrschaft geriet der Kleinstaat in arge Bedrängnis. Durch den rücksichtslosen deutschen U-Boot-Krieg von wichtigen Lebensmittelimporten abgeschnitten, wandte er sich an die USA als rettende Kraft. Die Bitten einer hochrangigen «Swiss Mission», die eigens über den Atlantik entsandt worden war, wurden erhört: Die USA versorgten das Binnenland mit eigenem Getreide und bewahrten es vor einer Hungersnot. Während Amerika an Strahlkraft gewann, wurde das Kaiserreich immer stärker zur Bedrohung. Spionageskandale und Bombenprozesse in Zürich, bei denen deutsche Agenten verurteilt wurden, sorgten für Aufregung. Trotz deutscher Gegenpropaganda gelang es dem Kaiserreich nicht mehr, seinen Einfluss aufrechtzuerhalten. Als im Herbst 1918 die Zentralmächte kollabierten, wurden die deutschen Diplomaten als Vertreter der ungeliebten alten Ordnung aus der Schweiz gewiesen. Die USA hingegen wurden unter ihrem Präsidenten Woodrow Wilson frenetisch gefeiert. Knapp hundert Jahre später erlaubt diese Studie einen neuen Blick auf eine der bewegtesten Phasen der Schweizer Geschichte und lädt dazu ein, über das Verhältnis des Kleinstaates zur Welt nachzudenken.
Chronos Die Jugoslawienkriege in Geschichtskultur und Geschichtsvermittlung A1057131523
In der Schweiz leben zahlreiche Menschen mit Bezug zum ehemaligen Jugoslawien und zu den Jugoslawienkriegen, unter ihnen viele Schülerinnen und Schüler. Für sie wie für die gesamte Gesellschaft scheint es dringlich, das Thema Jugoslawien der Geschichtsvermittlung zu erschliessen. Zwar tauchen die Jugoslawienkriege in Lehrmitteln auf, doch findet bis anhin kaum eine geschichtsdidaktische Auseinandersetzung darüber statt. Aufgrund der Komplexität des Themas steht die Vermittlungspraxis vor grossen Herausforderungen. Der Band nimmt eine Situationsbestimmung vor, analysiert geschichtskulturelle Manifestationen und lotet Möglichkeiten bei der Behandlung der Jugoslawienkriege im Geschichtsunterricht aus.
Chronos Blicke auf die koloniale Schweiz A1067489555
Einem transnationalen Trend folgend, sind in jüngster Zeit auch die von der Schweiz ausgegangenen kolonialen Aktivitäten und Beteiligungen an der Sklavenhaltung zu stark beachteten Themen geworden. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden zahlreiche Spezialstudien veröffentlicht, die von den Medien mit viel Aufmerksamkeit bedacht worden sind. Es ist an der Zeit, einen breit gefassten Überblick über den aktuellen Stand dieses Forschungsbereichs herzustellen. Die Arbeiten zeigen, in welchem Mass die Schweiz, obwohl formell keine Kolonialmacht, eine koloniale Vergangenheit aufweist und Altlasten dieser Zeit weiterwirken. Der Autor fragt nach den Beweggründen, die für die Beschäftigung mit der kolonialen Problematik bestimmend gewesen sind und vermittelt einen Überblick über die in den letzten drei Jahrzehnten erschienene Literatur.
Schon im 16. Jahrhundert wird die politische Ordnung der alten Eidgenossenschaft als Besonderheit wahrgenommen. Der Theoretiker des Absolutismus, Jean Bodin, spricht von «demokratischen Regimentern». Im frühen 19. Jahrhundert betont der konservative Publizist Alexis de Tocqueville die «einzigartige Originalität» der politischen Entwicklung der Schweiz. Ebenfalls in der Frühneuzeit sind in der Eidgenossenschaft erste Spuren eines republikanischen Selbstverständnisses zu finden, die einerseits den antioligarchischen Tugenddiskurs fördern, andererseits Kernelemente des Mythos Schweiz enthalten, der sich später zur Bauernstaatsideologie verdichtet. In diesem Spannungsfeld von Fremd- und Selbstwahrnehmung sind im Kontext der demokratischen Bewegung der 1860er-Jahre die ersten wissenschaftlichen Werke zur Entstehung der «direkten Demokratie» in der Schweiz entstanden. Die vorliegende Studie zeichnet die historiografische Entwicklung der Erforschung der halbdirekten Demokratie nach, rekonstruiert Forschungskontroversen, hinterfragt die gängigen Narrative und konfrontiert diese mit dem aktuellen Forschungsstand. Ausgehend von diesen Neuansätzen werden offene Fragen und Defizite der Erforschung der direkten Demokratie erörtert. Die Überlegungen sollen dazu beitragen, den öffentlichen Diskurs mit den Erkenntnissen der modernen Geschichtswissenschaft zu konfrontieren und gleichzeitig eine Orientierungshilfe für die anstehenden Diskussionen über das zukünftige Verhältnis zwischen der Schweiz und der Europäischen Union zu bieten.
Merkblätter, Broschüren; Flyer, Karten, Formulare – die Publikationen öffentlicher Verwaltungen gehören zu unserem Alltag. Mit ihnen wird über öffentliche Belange informiert und gesellschaftliches Zusammenleben organisiert. Im Mittelpunkt der Studie stehen ausgewählte Publikationen der Verwaltung der Stadt Zürich sowie weiterer öffentlicher Akteure. Sie werden unter der Perspektive der Sachliteratur- und Populärkulturforschung analysiert. Welches Verständnis von bürokratischem Handeln zeigt sich beim Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert in den städtischen Publikationen? Welche Figurenkonstellationen, Handlungsstrukturen und Räume werden entworfen, um eine Vertrauensbasis aufzubauen, Ordnungsvorstellungen zu vermitteln oder lenkend zu beeinflussen? Die Fragestellungen zielen auf die Darstellung des Verhältnisses von Verwaltung und städtischer Bevölkerung, dies unter anderem vor dem Hintergrund der Ökonomisierung des öffentlichen Sektors. Besonderes Augenmerk gilt den Strategien, die zur Autorisierung behördlicher Expertise angewendet werden, sowie der Frage, inwiefern Narrationen und Elemente populärer Kultur dabei eine Rolle spielen.
Der Schriftsteller Meinrad Inglin (1893–1971) durchlief einen schwierigen Bildungsweg. Er besuchte verschiedene Abteilungen des Kollegiums Maria Hilf, der Mittelschule in seinem Heimatort Schwyz, ohne die Ausbildung abzuschliessen, und auch Versuche in praktischen Berufen (Uhrmacher, Kellner) brach er ab. Ohne Matur gelang ihm, was er selber als Meisterstreich betrachtete: die Immatrikulation an der Universität Neuenburg. Von 1913 bis 1920 studierte er dort und an den Universitäten Genf und Bern Literaturgeschichte und Psychologie und beschäftigte sich rege mit weltanschaulichen, religiösen und ästhetischen Fragen. Inglins Überlegungen finden ihren Niederschlag in seinem Tagebuch und in weiteren schriftlichen Zeugnissen. Mit kritischem Spürsinn stürzt er sich ins intellektuelle Abenteuer und nimmt zu den geistigen Strömungen seiner Zeit Stellung, zu Nietzsche oder zu Freud etwa, aber auch zu Positionen der Tradition, insbesondere zum einseitig moralistischen Denken im katholischen Milieu. Es ist erstaunlich,wie er, der einst schlechte Mittelschüler; sich in intellektuelle Abenteuer einarbeiten konnte. Das Tagebuch zeigt, dass er sich in dieser Zeit mit verschiedenen Denkformen herumzuschlagen wusste. Eine starke Bezugsfigur ist Dominikus Abury, Philosophielehrer am Kollegium Schwyz, ein Förderer und Mentor aus frühen Tagen.