Für mich leider ein Fehlkauf
Manches an dieser Säge ist sehr gut, wie zB der Parallelanschlag, nur blöderweise brauche ich den nicht, weil die Maschine bei mir in einen Tisch eingebaut ist. Ich habe immer eine leistungsstarke Staubabsaugung laufen, trotzdem sammelt sich so viel Staub im Inneren der Maschine, dass man den Innenbereich oft extra aussaugen muss. Die schlechten Eigenschaften bezüglich Absaugung führen aber noch zu einem größeren Problem: der Mechanismus, mit dem man das Sägeblatt neigen kann, verdreckt schon nach kurzer Zeit derart, dass 45 Grad Schnitte völlig unmöglich werden. Das Sägeblatt kann einfach nicht mehr so weit geneigt werden. Und die Stellen, die man im Inneren reinigen müsste, um diese Funktionalität wieder herzustellen, sind so unzugänglich, daß auch diese Möglichkeit illusorisch ist. Ich würde diese Maschine definitiv nicht mehr kaufen!
Die Rezession ist ziemlich lang geworden. Ich wollte aber meine Erfahrungen veröffentlichen, damit andere eine Informiert Entscheidung treffen können.
Ich bin ein großer Fan von Makita Werkzeug. Ich finde allgemein, dass die Marke im Deutschsprachigen Raum eher unterbewertet wird. Persönlich besitze ich mehr als 10 verschiedene handgeführt oder halb-stationäre Maschinen. Keine davon hat mich bis heute in Stich gelassen. Wenn ich mit anderen Marken bisher verglichen habe, fand ich die Makita Maschinen immer irgendwie besser und günstiger.
Als ich mich für eine kompakte Tischkreissäge entschieden habe, wäre die Entscheidung eigentlich klar gewesen: Bosch GTS10 XC. Davon gibt es genug zu lesen. Über die Makita findet man allerdings recht wenige Erfahrungsberichte, zumindest hier in Deutschland. Auf Amazon.com gibt es viele gute Bewertungen der fast baugleichen 2705. Auf Papier schlägt die Makita in Schnittkapazität und Drehzahl. Ich dachte, ich konnte mit den bekannten Schwächen arbeiten. Zudem war der Preis der neuen Version „N“ für 625€ so günstig wie nie. Bestellt.
Nachdem ich die Säge gründlich angeschaut habe, war meine Frustration so groß, dass ich am selben Abend die GTS10XC noch bestellte. Sie war gerade fürs gleiche Geld im Angebot. Somit konnte ich beide Geräte direkt miteinander vergleichen. Bei den folgenden Punkten fand ich die Bosch besser:
Verpackung:
Ja, hier fing es schon an. Die Bosch war kompakter und sicherer in Styropor verpackt. Die Makita etwas loser drin, aber vor allem war die Schutzhaube vormontiert, was gar keinen Sinn macht. Dafür gibt’s sicherlich einen Grund, dazu komme ich noch. Die Laufflächen und Zahnräder der Makita waren übertrieben mit fett geschmiert. Nicht schlimm, aber auch nicht schön da das den Staub auffängt. In dem Punkt war die Bosch viel vernünftiger.
Einstellung der Blattneigung:
Die Makita hat ein Handrad, die Bosch schwenkt einfach. Das klingt schon wie ein Vorteil für die Makita, aber über das Rad kann man das Sägeblatt über den Anschlag hinaus „biegen“, wenn man nicht aufpasst, und so auch festgeklemmt bekommen. Außerdem verstellt sich Winkel beim festklemmen mit dem Hebel, wenn man nicht sehr aufpasst. Mit der Bosch war das nicht möglich, und der Hebel wirkt viel fester (Gussteil, glaube ich, und nicht Plastik). Der 90° Anschlag an sich bei der Makita ist irgendwie „weicher“. Bei der Bosch merke ich besser, wenn er erreicht wird. Einmal den Anschlag eingestellt, ist es sehr leicht auf perfekt 90° wieder zu stellen.
Aufhängung Motorgehäuse:
Bei beiden Sägen wird das Motorgehäuse auf die Tischunterseite geschraubt, und über Drehzapfen (hoffentlich der richtige Begriff – „Trunnion“ in meiner Muttersprache) gelagert. Bei der Makita gleiten die Aluguss Zapfen, zwar gut geschmiert, direkt auf die Tischunterseite, und unten sind die Halterungen aus Kunstoff. Bei der Bosch ist die Reihenfolge Guss (Tisch) – Kunstoff – Guss (Zapfen) – Kunstoff – Guss (Halterung). Das ist vielleicht nicht schlimm, da der Verschleiß hier relativ gering ist. Gestört hat mich allerdings, dass die 2 hinteren Schrauben bei der Makita nicht zugänglich sind. Somit kann das Gehäuse nur verstellt werden, in dem die vorderen Schrauben gelöst werden und der hintere Zapfen einfach leicht gedreht wird. Bei mir war das Sägeblatt um ca. 0,7mm zur Tischnut nicht parallel. In der Betriebsanleitung steht nichts darüber und ich wusste nur durch eine Rezession der 2705, dass es möglich ist. Bei der Bosch ist das gut beschrieben und alle 4 Schrauben sind erreichbar.
Höhenverstellung des Sägeblatts:
Hier macht die Bosch wieder einen besseren Eindruck. Das Handrad wackelt und quietscht nicht, wie bei der Makita. Außerdem sind die Führungen der Bosch direkt im Aluguss, wobei die Makita Kunstofflager hat.
Tischerweiterung hinten:
Diese ist bei beiden Sägen einfach gehalten. Die Funktion ist sicherlich gleich, allerdings macht die Bosch auch hier einen besseren Eindruck.
Einlegeplatte:
Die rote Bosch Platte ist einiges stabiler und liegt flacher in der Senkung. Zum Entfernen der Makita Platte muss eine lange Schraube entfernt werden. Die Schraube, wie übrigens alle Schrauben von Makita Werkzeugen, hat KEIN Philipsantrieb, sondern JIS. Die Form ist leicht anders und ein Philipps Schraubendreher „torqued“ schneller aus. Die Bosch kann auch nicht mit der Hand entfernt werden, aber das Herausheblen mit einem flachen Schraubendreher geht wesentlich schneller.
Blattwechsel:
Das ist bei der Bosch auch durch die eingebaute Spindelarretierung einfacher und sicherer als mit den zwei Schlüsseln bei der Makita. Die Makita verwendet einen Adapterring für Sägeblätter mit 30mm Bohrung = noch ein Teil das herunterfallen kann. Außerdem, bleibt der Blattschutz nicht oben, sondern fällt immer herunter.
Zeiger Schnittbreite:
Bei der Bosch ist er zwar nicht gut mit der Vergrößerungslupe (Parallaxenfehler), aber besser als die Makita. Die Lupe habe ich bei der Bosch einfach entfernt, somit geht das viel besser.
Lärm:
Die Bosch ist einiges leiser und hat einen angenehmeres Geräusch. Das war ein wichtiger Punkt für mich. Die Makita war kaum leiser als meine alte HKS die bisher als Tischkreissäge diente. Auch die Vibration ist bei der Bosch weniger.
Softstart / Motorbremse:
Die Bosch startet sanfter und leiser. Beide bremsen genauso gut, ca. 3s dauert es.
Tischerweiterung rechts:
Bei beiden Sägen lässt sich der Tisch herausziehen. Bei der Makita ist die Verriegelung seltsam mit 2 Heblen, die gleichzeitig gezogen werden. Der Bosch Hebel ist angenehmer zu bedienen und braucht weniger Kraft. Bei beiden Sägen muss man aufpassen, dass die vordere und hintere Schiene gleichmäßig herausgezogen und festgeklemmt werden. Sonst kann der Parallelanschlag zum Sägeblatt schief sein. Schnittbreite ist bei beiden ca.64cm, aber bei der Bosch kann man den Parallelanschlag zur Not auf ca. 69cm stellen. Bei der Makita schlägt er an eine Anschlag und dann ist Schluss. Schlimmer ist, dass der Makita Parallelanschlag bei erweitertem Tisch nicht mehr zum Sägeblatt fahren kann. Er wird mit ca. 3cm Abstand blockiert. Bei schmalen Schnitten muss die Verbreiterung entriegelt und hereingefahren werden. Bei der Bosch ist das nicht so. Außerdem sieht es bei der Bosch einfacher aus, eine Einlegeplatte für eine Oberfräse zu installieren, wobei das mir nicht wichtig wäre.
Tischgröße:
Die Bosch ist ca. 15mm tiefer.
Blattschutz:
Sie ist bei der Makita vormontiert. Vermutlich ist das aufgrund Gerichtsurteile in den USA. Es steht auch eindeutig in der Betriebsanleitung drin, dass sie immer zu verwenden ist. Wie jeder weißt, ist das bei manchen Schnitten weder möglich noch sicher. Ein schneller Wechsel ist sehr wichtig. Die Demontage bei der Makita ist wie folgt:
1. Sicherheitsschraube (Torx mit Pin) und 6kant Mutter entfernen plus 2 Beilagscheiben entfernen (4 Teile).
2. Blattschutz entnehmen, dabei die 2 Hülsen aufsammeln, die herunterfallen (noch 3 Teile).
3. Schraube für den schwarzen Steg, der immer noch montiert ist, entfernen. Dabei die 2 Buchsen aufsammeln, die herunterfallen (noch 4 Teile).
Erst dann ist der Blattschutz entfernt. Er besteht aus nicht weniger als 10 Einzelteile! Bei dem Zusammenbau ist es sehr fummelig die kleinen Hülsen zu halten, und diese wie die anderen Teile fallen gerne in das Blattgehäuse herunter. Außerdem ist die ganze Konstruktion sehr wackelig und umständlich. Die Absaugung fehlt, dafür gibt es große Löcher oben. Man könnte eine Absaugung, wie einer in Youtube gemacht hat, schon noch anbauen. Für mich war der Blattschutz an sich nicht verwendbar. Ich wollte einen Blattschutz hauptsächlich zur Absaugung haben. Dabei muss er aber gut zu entfernen sein. Der Blattschutz bei der Bosch ist einfach, hat Absaugung, und mit einem Hebel zu entfernen.
Spaltkeil:
Bei der Makita ist er sehr hoch und groß um den monströsen Blattschutz sowie die Krallen befestigen zu können. Ich habe nicht versurcht ihn zu entfernen, und kann nicht beurteilen wie das geht. Die Lösung für mich wäre: entfernen und durch einen Modifizierten ersetzten, der unterhalb des Sägeblatts ist. Kein Blattschutz oder Absaugung möglich. Bei der Bosch: klein, einfach zu entfernen und werkzeuglos versenkbar. Das Thema mit dem Sägemehl nehme ich dagegen im Kauf.
Absaugung:
Ein sehr wichtiger Punkt für mich. Die Makita soll angeblich viel Staub erzeugen. Ich war überzeugt, dass ich die Absaugung mit Abdeckungen am Blattgehäuse etc. verbessern könnte. Nachdem ich die Unterseide untersucht habe, war diese Hoffnung weg. Das Gehäuse hat so viele Öffnungen, dass eine Absaugung praktisch keine Chance hätte. Es gibt sogar eine große Öffnung auf der Motorseite mit einem Kunstoff Abweiser. Keine Ahnung wofür. Unter dem Motor ist zusätzlich offen, wenn er hochgefahren ist (die Bosch hat hier eine Blechabdeckung). Ich habe überlegt, das ganze Gehäuse abzusaugen, aber da ist wirklich alles offen. Bei der Bosch ist natürlich auch nicht alles zu, aber wesentlich besser und durchdachter als die Makita.
Parallelanschlag:
Beide würde ich als „gut“ bewerten, wobei der Bosch schwerer und sauberer konstruiert wirkt. Der Makita Anschlag verriegelt seitlich in die vordere Schiene, wobei der Bosch nur oben drauf sitzt. So kann er seitlich herausgekippt werden. Der Hebel bei der Makita hat eine umständliche Form, wie bei einem bekannten Video bemängelt wurde. Mir war aber vorher klar: die Form dient dazu, dass der Anschlag nach vorne gedrückt wird, während er verriegelt wird. Somit richtet er automatisch aus. Bei der Bosch kann es sein, dass der Anschlag schief geklemmt wird (sehe hier das Video von Andreas Kalt). Das kann man zum Teil lösen, indem die hintere Verriegelung etwas lockert. Dann greift er später, und durch Drucken des Hebels richtet er sich aus wie bei der Makita. Ich gewöhne mich daran, einfach ordentlich den Anschlag anzudrucken, bevor ich ihn festklemme. Man könnte übrigens die hintere Verriegelung einfach lösen, dann hat man das Problem nicht. Die Parallelität einzustellen ist bei beiden im Prinzip gleich und problemlos. Bei seitlichem Druck am hinteren Ende des Anschlags gibt der Makita Anschlag etwas nach, bei der Bosch nicht so.
Anleitung:
Ja, auch sie ist bei der Bosch viel logischer und detaillierter.
Nachdem die Makita bei so vielen Punkten aus meiner Sicht schlechter ist, war mir die 13mm Schnittkapazität ziemlich egal. Schöner wäre es auch, wenn die Bosch Tischnuten gleich tief wären, und die übliche 19mm Breite hätten (ich messe 16 und 16,2mm). Damit kann ich aber auch leben. Ob die (wesentlich) höhere Drehzahl wichtig ist, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich ist das nur bei schnellem Vorschub von groben Schnitten wichtig (Baukreissäge letztendlich). Für die Lautstärke kann das aber nicht gut sein. Nervig ist bei der Bosch, dass mein 50mm Schlauch weder auf den Absaugstutzen noch auf den Adapter passt. Lösung: einen Makita Adapter kaufen (Ebay 12€) und in die Bosch schieben, dann passt es perfekt. Der Durchmesser ist vermutlich bei beiden Sägen und bei vielen anderen Geräten auf die Staubsauger in den USA abgestimmt: 2 ¼“ Innendurchmesser. Der Sägeblattdurchmesser von 254 = 10“ (Bosch) gegen 260 ist wahrscheinlich auch ein Vorteil, da es viel mehr Auswahl gibt. Übrigens, falls es jemand wissen möchte: ein 260er Blatt passt NICHT in die Bosch, auch wenn das erlaubt wäre. Nach meiner Erfahrung sind die mitgelieferten Sägeblätter bei Makita nicht schlecht. Das der Bosch ist ok für grobe Längsschnitten, aber nicht mehr. Getestet habe ich das aber nicht und das Blatt sieht ähnlich aus wie das der Bosch. Die Makita wird in den USA zusammengebaut, das habe ich bestätigt. Die Bosch kommt aus China, sowie vermutlich auch die Makita Einzelteile. Ob das bei der Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, kann ich nicht sagen.
Fazit:
Ich habe nicht mit der Makita gesägt. Sicherlich macht sie das gut, vor allem auf der Baustelle. Die Qualität ist wie gewohnt von Makita sehr gut und die wichtigsten Komponenten haben kein Spiel. Für mich waren es aber zu viele Punkte, die bei der Bosch einfach besser sind. Für den gleichen Preis, ist die GTS10XC die bessere Säge. Vor allem der unglaublich umständliche Blattschutz und der Spaltkeil. Würde die Makita 200€ weniger kosten, könnte man weiter nachdenken. Aber, diesmal bin ich bei der Konkurrenz.