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Erich Schmidt Verlag Absolute Lyrik A1000767646
Absolute Dichtung, gelegentlich auch als abstrakte Dichtung bezeichnet und dann in eine enge Beziehung zur gegenstandslosen Malerei gerückt, realisiert ihre poetische Abwendung von den Vorgaben der Realtiät, von konkreten Sachverhalten und logischen Zusammenhängen auf vielfache Weise. Die vorliegende Studie zeigt am Beispiel absoluter Lyrik, dass dabei vor allem zwei Wege beschritten werden. Der eine führt zum surrealen und hermetischen Gedicht, das eine wirklichkeitsferne, selbständige Sinnsphäre konstituiert. Der andere führt über die Konstruktion eines sich nach und nach von der Norm- und Normalsprache lösenden Mediums hin zu einem autonomen poetischen Idiom, das sämtliche Beziehungen zur gewohnten Alltagssprache gekappt hat. Diese Entwicklung beginnt mit dem ästhetischen Subjektivismus im 18. Jahrhundert, also vor allem bei Klopstock, bildet einen ersten Höhepunkt in der späten Hymnendichtung Hölderlins und prägt romantische Texte, z.B. mit Hilfe von Einsprengseln sinnferner oder sogar sinnfreier Verse wie in Brentanos Gockel-Märchen. In Symbolismus und Expressionismus, vor allem aber durch die Dada-Bewegung wird die Entfaltung autonomer Sprachlichkeit vorangetrieben, die dann im hermetischen Gedicht Meisters, Celans und Arendts sowie in den Sprachexperimenten visueller Lyrik und konkreter Gedichte der 60er bis 80er Jahre gipfelt.
Wallstein Vivian Liska, Fachbücher von Vivian Liska
Eine erhellende Studie über das deutsch-jüdische Denken und das prekäre Schicksal seines literarischen und philosophischen Erbes in unserer Zeit. Vivian Liska erforscht die Rolle der jüdischen Tradition in Auffassungen der Moderne von Franz Kafka, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Hannah Arendt und Paul Celan und geht ihrem unsicheren Fortleben an der Wende zum 21. Jahrhundert nach. Den von diesen Denkern geteilten paradoxen Versuch, den Traditionsbruch der Moderne mittels Denkfiguren der jüdischen Tradition zu erfassen, untersucht die Autorin entlang der Schlüsselbegriffe Gesetz, Messianismus, Exil, Auserwählung, Erinnerung und die Überlieferung der Tradition selbst. In drei verschiedenen zeitlichen und intellektuellen Kontexten - der deutsch-jüdischen Moderne, der Postmoderne in ihrer dekonstruktiven Variante und der gegenwärtigen Zeit - verfolgt sie die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus, Anarchie und Gesetz, Ewigkeitsanspruch und Jetztzeit, Mobilität und Zugehörigkeit sowie Bewahrung und Neuerung. Die Darstellung der Gesprächs- und Rezeptionskonstellationen dieser bedeutenden Figuren und ihrer Nachfolger ermöglicht es, das Fortleben ihrer Visionen der Moderne nachzuzeichnen und die zeitgenössischen Herausforderungen ins Auge zu fassen, mit denen diese deutsch-jüdische Erbschaft heute konfrontiert ist.
Was ist ein Autor? Die deutsche Lyrik der Nachkriegszeit fand darauf eigene Antworten. Nach 1945 mussten Grundlagen und Ziele des Schreibens neu definiert werden. Rationalität schien kein tragfähiges Konzept mehr, Autoritäten waren prinzipiell fragwürdig, Gewissheiten ausgelöscht. Die Daseinsberechtigung des Autors wurde von den Schriftstellerinnen und Schriftstellern über Jahre diskutiert und radikal in Frage gestellt. Aber was bedeutet das für die Literatur selbst? Fragen nach dem Autor, seinen Aufgaben und Fähigkeiten wurden zwischen 1945 und 1968 am eindringlichsten in der Lyrik gestellt. Anhand der Gedichte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Günter Eich, Hans Magnus Enzensberger und Marie Luise Kaschnitz wird untersucht, welche Vorstellungen des Autors darin entwickelt, erprobt und revidiert werden. Dabei lassen sich nicht bloß verschiedene Entwürfe von Autorschaft erkennen: Es findet eine Entwicklung statt von Vorstellungen eines starken und fähigen Autors zu einem entmachteten Autor, der in Auflösung begriffen ist. Die Verantwortung über die Textbedeutung wird zunehmend auf den Leser übertragen. Der Autor in der deutschen Lyrik wird von sich selbst definiert, hinterfragt, und schließlich ausgelöscht, auf dass der Leser sein begonnenes Werk vollende.
Epubli Eine finnische Jazznummer für die Missverstandenen A1033627932
Dieses Buch vereint 23 Gedichte, die in den Jahren von 2005 bis 2008 entstanden sind und vom Autor für diesen Band ausgewählt und überarbeitet wurden. Sie befassen sich mit Themen wie Musik, Literatur und Kunst, beinhalten Alltägliches, Traumartiges und Surreales. Das Gedicht Weltmannschaft, das eine fiktive Fußballmannschaft aus einigen Schwergewichten der Dichtung zusammenstellt, nennt einige der Vorfahren, mit denen sich der Autor auseinander gesetzt hat (teilweise auch durch ihre Übersetzung ins Deutsche) und die seine eigenen Gedichte zweifellos beeinflusst haben. Darunter sind u.a. Federico García Lorca, Octavio Paz und César Vallejo, Paul Celan und Ossip Mandelstam. Unverkennbar in Beilharz’ informeller, ungezwungener Diktion sind jedoch auch amerikanische Einflüsse, wie etwa von William Carlos Williams, vor allem aber der New York Poets John Ashbery, Barbara Guest, Frank O’Hara und James Schuyler (die der Autor ebenfalls übersetzt hat). Die visuelle Orientierung vieler Gedichte verweist zudem darauf, dass Beilharz auch als Maler Bilder erschafft.
Mit Beiträgen von: Aharon Appelfeld, Rose Ausländer, Hermann Bahr, Lothar Baier, Margit Bartfeld-Feller, Ruth Beckermann, Kurt Blaukopf, Klara Blum, Johanna Brucker, Otto Brusatti, Martin Buber, Josef Burg, Paul Celan, Erwin Chargaff, Andrei Corbea-Hoisie, Max Diamant, Georg Drozdowski, Mihai Eminescu, Osyp Jurij Fed’kovyc; Mojsej Fišbejn; Karl Emil Franzos, Marie Fürstin Gagarin, Alfred Gong, Nora Gray, Otto von Habsburg, Georg Heinzen, Ninon Hesse, Nicolae Iorga, Else Keren, Alfred Kittner, Vasyl Koželanko; Karl Kraus, Sophia Majdans’ka; Itzik Manger, Alfred Margul-Sperber, Jacob Melzer, Philipp Menczel, Hermann Mittelman, Johann Georg Obrist, Igor Pomerancev, Franz Porubsky, Gregor von Rezzori, Moses Rosenkranz, Arthur Rubinstein, Josef N.Rudel, Leopold von Sacher-Masoch, Joseph Victor von Scheffel, Karl Schlögel, Ilana Shmueli, Edith Silbermann, Ernst Trost.
Cioran, der »Dandy der Leere, neben dem selbst Stoiker wie unheilbare Lebemänner wirken« (Bernard-Henri Lévy), war einer der einflussreichsten kulturkritischen Denker des 20. Jahrhunderts. In bisweilen schmerzlicher Nähe zu den Äußerungen des Selbstmord-Theoretikers beleuchtet Bernd Mattheus in diesem Buch auch die bislang wenig bekannte Zeit vor dessen Emigration nach Frankreich. Emil M. Cioran, 1911 im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) geboren, studiert an der Universität Bukarest. Erst nach einem längeren Aufenthalt in Berlin emigriert er 1937 nach Paris; seit dieser Zeit schreibt er auf Französisch. Der internationale Durchbruch gelingt ihm mit der 1949 erschienenen Schrift Lehre vom Zerfall . Von Paul Celan ins Deutsche übersetzt, begründet sie seinen Ruf als unerbittlicher Skeptiker. Bernd Mattheus gelingt nicht nur eine präzise Rekonstruktion Ciorans Lebens, sondern auch ein verblüffend lebendiges Bild des »nach Kierkegaard einzigen Denkers von Rang, der die Einsicht unwiderruflich gemacht hat, daß keiner nach sicheren Methoden verzweifeln kann« (Peter Sloterdijk).
Eine erhellende Studie über das deutsch-jüdische Denken und das prekäre Schicksal seines literarischen und philosophischen Erbes in unserer Zeit. Vivian Liska erforscht die Rolle der jüdischen Tradition in Auffassungen der Moderne von Franz Kafka, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Hannah Arendt und Paul Celan und geht ihrem unsicheren Fortleben an der Wende zum 21. Jahrhundert nach. Den von diesen Denkern geteilten paradoxen Versuch, den Traditionsbruch der Moderne mittels Denkfiguren der jüdischen Tradition zu erfassen, untersucht die Autorin entlang der Schlüsselbegriffe Gesetz, Messianismus, Exil, Auserwählung, Erinnerung und die Überlieferung der Tradition selbst. In drei verschiedenen zeitlichen und intellektuellen Kontexten - der deutsch-jüdischen Moderne, der Postmoderne in ihrer dekonstruktiven Variante und der gegenwärtigen Zeit - verfolgt sie die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus, Anarchie und Gesetz, Ewigkeitsanspruch und Jetztzeit, Mobilität und Zugehörigkeit sowie Bewahrung und Neuerung. Die Darstellung der Gesprächs- und Rezeptionskonstellationen dieser bedeutenden Figuren und ihrer Nachfolger ermöglicht es, das Fortleben ihrer Visionen der Moderne nachzuzeichnen und die zeitgenössischen Herausforderungen ins Auge zu fassen, mit denen diese deutsch-jüdische Erbschaft heute konfrontiert ist.
Rowohlt Berlin Tar Baby, Belletristik von Uli Aumüller, Uta Goridis, Toni Morrison
Autor/Autorin: Toni Morrison Toni Morrison wurde 1931 in Lorain, Ohio, geboren. Sie studierte an der renommierten Cornell University Anglistik und hatte an der Princeton University eine Professur für afroamerikanische Literatur inne. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen „Sehr blaue Augen“, „Solomons Lied“, „Menschenkind“, „Jazz“, „Paradies“ und diverse Essaysammlungen. Sie war Mitglied des National Council on the Arts und der American Academy of Arts and Letters. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, unter anderem mit dem National Book Critics' Circle Award und dem American Academy and Institute of Arts and Letters Award für Erzählliteratur. 1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, und 2012 zeichnete Barack Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. Toni Morrison starb am 5. August 2019. Übersetzung von: Uli Aumüller Uli Aumüller übersetzt unter anderem Siri Hustvedt, Jeffrey Eugenides, Jean Paul Sartre, Albert Camus und Milan Kundera. Für ihre Übersetzungen erhielt sie den Paul-Celan-Preis und den Jane-Scatcherd-Preis.
Königshausen u. Neumann Weiterschreiben? A1035232097
Was ist ein Autor? Die deutsche Lyrik der Nachkriegszeit fand darauf eigene Antworten. Nach 1945 mussten Grundlagen und Ziele des Schreibens neu definiert werden. Rationalität schien kein tragfähiges Konzept mehr, Autoritäten waren prinzipiell fragwürdig, Gewissheiten ausgelöscht. Die Daseinsberechtigung des Autors wurde von den Schriftstellerinnen und Schriftstellern über Jahre diskutiert und radikal in Frage gestellt. Aber was bedeutet das für die Literatur selbst? Fragen nach dem Autor, seinen Aufgaben und Fähigkeiten wurden zwischen 1945 und 1968 am eindringlichsten in der Lyrik gestellt. Anhand der Gedichte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Günter Eich, Hans Magnus Enzensberger und Marie Luise Kaschnitz wird untersucht, welche Vorstellungen des Autors darin entwickelt, erprobt und revidiert werden. Dabei lassen sich nicht bloß verschiedene Entwürfe von Autorschaft erkennen: Es findet eine Entwicklung statt von Vorstellungen eines starken und fähigen Autors zu einem entmachteten Autor, der in Auflösung begriffen ist. Die Verantwortung über die Textbedeutung wird zunehmend auf den Leser übertragen. Der Autor in der deutschen Lyrik wird von sich selbst definiert, hinterfragt, und schließlich ausgelöscht, auf dass der Leser sein begonnenes Werk vollende.
Der Blick auf ein einzelnes Gedicht eröffnet eine neue Sicht auf Rainer Maria Rilke. Christoph König nimmt in seinem Buch ein einzelnes Gedicht in den Fokus: »O komm und geh« aus Rilkes Zyklus »Die Sonette an Orpheus« (1922). Große Gedichte, schreibt er, sind wie Subjekte, ebenso entschieden wie selbständig, und sie erheben den Anspruch, gemäß ihrer Eigenart gelesen zu werden. König interpretiert das Gedicht und zeigt die Voraussetzungen seiner Lektüre: Rilkes Idiomatik, die Aneignung literarischer Traditionen, seine Korrespondenz, die 55 Sonette des Zyklus als die Welt des Sonetts, und vor allem die Selbstreflexion der Gedichte. Ein neues Bild Rilkes entsteht: Hinter dem populären, esoterischen, philosophischen oder mythopoetischen Autor wird der Skeptiker greifbar, der in seinem Werk über die Möglichkeitsbedingungen poetischer Erkenntnis nachdenkt. Königs Lektüre, die immer wieder zu dem Gedicht zurückkehrt, umfasst in gleichem Maß die Interpretationsgeschichte, der sie gegenübertritt: König stellt sie in zwanzig Lektüreporträts - von Heidegger, Wittgenstein, Paul Hoffmann, Beda Allemann, Ulrich Fülleborn, Celan oder Eich - dar. Somit liegt ein Buch über einen neuen »Rilke« vor, und ein Buch, das das Potential einer wissenschaftsgeschichtlich aufgeklärten, kritischen Hermeneutik demonstriert.
Eine erhellende Studie über das deutsch-jüdische Denken und das prekäre Schicksal seines literarischen und philosophischen Erbes in unserer Zeit. Vivian Liska erforscht die Rolle der jüdischen Tradition in Auffassungen der Moderne von Franz Kafka, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Hannah Arendt und Paul Celan und geht ihrem unsicheren Fortleben an der Wende zum 21. Jahrhundert nach. Den von diesen Denkern geteilten paradoxen Versuch, den Traditionsbruch der Moderne mittels Denkfiguren der jüdischen Tradition zu erfassen, untersucht die Autorin entlang der Schlüsselbegriffe Gesetz, Messianismus, Exil, Auserwählung, Erinnerung und die Überlieferung der Tradition selbst. In drei verschiedenen zeitlichen und intellektuellen Kontexten - der deutsch-jüdischen Moderne, der Postmoderne in ihrer dekonstruktiven Variante und der gegenwärtigen Zeit - verfolgt sie die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus, Anarchie und Gesetz, Ewigkeitsanspruch und Jetztzeit, Mobilität und Zugehörigkeit sowie Bewahrung und Neuerung. Die Darstellung der Gesprächs- und Rezeptionskonstellationen dieser bedeutenden Figuren und ihrer Nachfolger ermöglicht es, das Fortleben ihrer Visionen der Moderne nachzuzeichnen und die zeitgenössischen Herausforderungen ins Auge zu fassen, mit denen diese deutsch-jüdische Erbschaft heute konfrontiert ist.
Meine Reise zum O beginnt und endet mit Gesprächen, die ich nicht führen konnte, denn ich spreche die Sprache der anderen Person nicht, beziehungsweise nicht mehr. Zwischen der mysteriösen Figur des russischen Übersetzers Kislow und meiner Baby-Tochter, die noch nicht spricht, ist meine Reise zu finden. Von welcher Natur aber ist die Leere innerhalb des O? Kann es sein, dass es sich um ein rebellisches Zeichen handelt, das sich nicht so einfach unseren Vorstellungen von ihm unterwirft? Kann es das sein, dass das O uns selbst widersteht? Und dass wir durch ein tieferes Verständnis der runden Abwesenheit selbst Widerstand leisten können? Und falls ja, gegen wen kann sich unser Widerstand richten? In meiner Forschung musste ich nicht versuchen, diese Fragen zu beantworten, denn sie entfalteten sich ganz von selbst. Im Dialog mit Hölderlin, Peter Szondi, japanischem Volksmärchen, Anna O, Kleists Marquise von O, Desclos’ Histoire d’O, Paul Celan, Derrida, Wilfred Bion, Othello, Mythologien vom griechischen Okeanos bis hin zum hebräischen Ayin entdecke ich das eine Zeichen, das O, das mir die Welt in einem anderen Licht zeigen kann.
Jüdischer Verlag »Ich wandle Einsamkeit um in Worte«
David Rokeah und sein Werk stehen für eine ganze Generation israelischer Dichter und Dichterinnen. Er wurde 1916 in eine Vielsprachenwelt im damaligen Lemberg, dem heutigen Lwiw hineingeboren. Er beherrschte Jiddisch, Hebräisch, Polnisch und Deutsch.1934 wanderte er ins damalige Palästina aus und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Dichter des jungen Staates. Seine Gedichte wurzeln in der jüdischen Tradition der Kabbala, des Chassidismus und nehmen zugleich die Erfahrung des 20. Jahrhunderts mit auf: die Verfolgung und Vernichtung des europäischen Judentums, den mühsamen Aufbau eines neuen Staates, die Vielsprachigkeit. Die größte Wirkung entfalteten David Rokeahs Gedichte in Deutschland. Wie ist das zu erklären? Michael Krüger, der Übersetzer, Autor, Verleger und nahe Freund des Dichters, zeigt, wie Rokeah seine Gedichte im Wesentlichen selbst ins Deutsche übersetzte – zusammen mit der lyrischen Avantgarde jener Zeit: Hans Magnus Enzensberger, Paul Celan, Erich Fried und anderen. Im Rückblick zeigt Michael Krüger eine einzigartige historische Konstellation auf: Zur modernen hebräischen Lyrik gehört wesentlich die Zweisprachigkeit – ein Brückenschlag vom Deutschen ins Hebräische.
Literaturverlag Droschl Meine Besitztümer und andere Texte 1929-1938 A1000586831
Henri Michaux: neben Kafka und Beckett ein Jahrhundertschriftsteller. Anthropologe des eigenen Ich, der äußeren und inneren Räume, der gegen die Literatur und die Poesie anschreibt, um sie zu unterlaufen mit seiner so unverwechselbaren seismographischen Schreibweise, seiner Wut, seiner Selbstironie und seiner trockenen Komik. Über 'Die Nacht rührt sich' (1935) schrieb Michaux selbst: 'Dieses Buch hat keine äußere Einheit. Es entspricht keiner bekannten Gattung. Es enthält Erzählungen, Gedichte, Prosagedichte, Bekenntnisse, erfundene Wörter, Beschreibungen imaginärer Tiere, Notizen usw., die alle zusammen keinen Band ergeben, sondern eher ein Tagebuch. Ein bestimmter Tag hat sich gebieterisch in extravaganten Phantasien ausgedrückt, ein anderer Tag oder ein anderer Monat trocken in einem kurzen Prosagedicht, einer Ich-Analyse. Und das drei Jahre hindurch.' 'Meine Besitztümer und andere Texte' präsentiert die frühe Schaffensphase von Michaux zum erstenmal auf deutsch – ausgenommen die beiden bereits vorliegenden Reisebücher 'Ecuador' und 'Ein Barbar in Asien' –; übernimmt die bereits existierenden Auswahlübersetzungen von Paul Celan und Kurt Leonhard, vervollständigt sie und ergänzt sie mit einem Nachwort des Übersetzers Dieter Hornig.
Deckname Otto ist die Geschichte eines venezolanischen Revolutionärs, der nach Europa kam und für Algeriens Unabhängigkeit kämpfte, bevor er aufbrach, um Guerillero zu werden und sein Land zu befreien. Von den Anden in die Straßen von Paris, aus der Hitze Kubas ins verregnete London, von Algier bis auf den Marktplatz von Tübingen führen die unglaublichen Wege eines Mannes, dessen Gestalt von Jugend an Gerüchte und Legenden umgaben.Oswaldo Barreto Miliani, Revolutionär mit dem Decknamen Otto, geboren 1934 in den venezolanischen Anden, durfte erst nach Jahrzehnten in sein Land zurückkehren, wo er heute zurückgezogen lebt. Nicht ohne Verwunderung angesichts der Zufälle und Fügungen, die aus dem Studenten mit Hang zur deutschen Philosophie einen Tatmenschen machten, erzählt er sein abenteuerliches Leben zwischen den Welten.Otto kämpft, wird gefangengenommen und gefoltert; kann fliehen, nach Salamanca und Paris. Er studiert Hegel und Heidegger, liest Sartre und Celan, wird Berater Fidel Castros, Freund Che Guevaras und heiratet Vida, eine persische Aristokratin - Freundin von Farah Diba -, die ihn erst nach einer langen, die Grenzen der Selbsterniedrigung streifenden »Belagerung« erhört.Lisa St Aubin de Terán hat Ottos Erzählung aufgeschrieben, authentisch und packend - und mit allen Freiheiten, die ein Roman erfordert.
Der Blick auf ein einzelnes Gedicht eröffnet eine neue Sicht auf Rainer Maria Rilke. Christoph König nimmt in seinem Buch ein einzelnes Gedicht in den Fokus: »O komm und geh« aus Rilkes Zyklus »Die Sonette an Orpheus« (1922). Große Gedichte, schreibt er, sind wie Subjekte, ebenso entschieden wie selbständig, und sie erheben den Anspruch, gemäß ihrer Eigenart gelesen zu werden. König interpretiert das Gedicht und zeigt die Voraussetzungen seiner Lektüre: Rilkes Idiomatik, die Aneignung literarischer Traditionen, seine Korrespondenz, die 55 Sonette des Zyklus als die Welt des Sonetts, und vor allem die Selbstreflexion der Gedichte. Ein neues Bild Rilkes entsteht: Hinter dem populären, esoterischen, philosophischen oder mythopoetischen Autor wird der Skeptiker greifbar, der in seinem Werk über die Möglichkeitsbedingungen poetischer Erkenntnis nachdenkt. Königs Lektüre, die immer wieder zu dem Gedicht zurückkehrt, umfasst in gleichem Maß die Interpretationsgeschichte, der sie gegenübertritt: König stellt sie in zwanzig Lektüreporträts - von Heidegger, Wittgenstein, Paul Hoffmann, Beda Allemann, Ulrich Fülleborn, Celan oder Eich - dar. Somit liegt ein Buch über einen neuen »Rilke« vor, und ein Buch, das das Potential einer wissenschaftsgeschichtlich aufgeklärten, kritischen Hermeneutik demonstriert.
Kaum etwas ist so prägend für unser Leben wie die Beziehung zur Mutter und deren Einfluss auf das Kind. In Gedichten und Erzählungen einstiger und heutiger Dichterinnen und Dichter wird spürbar, welche Freude oder welcher Schatten sie für uns sein kann. Eine literarische und biografische Reise vom 18. Jahrhundert bis heute. Autorinnen u.a.: Rose Ausländer, Erika Burkart, Paul Celan, Gert Heidenreich, Else Lasker-Schüler, Christine Lavant, Friederike Mayröcker, Sylvia Plath, Nelly Sachs, SAID, Dieter Schlesak, Ilana Shmueli, Mario Wirz. Diese Anthologie unterscheidet sich insofern von den üblichen Anthologien, als hier nicht nur Gedichte bzw. Prosa Eingang finden, sondern auch – vor allem bei nicht mehr lebenden Dichtern, aber auch bei lebenden, die eine besondere Mutterbeziehung haben – auf 1 bis 3 Seiten zusätzlich die Beziehung zwischen AutorIn und Mutter und deren Einfluss auf sein/ihr Leben in einem eigenen Text beleuchtet wird. Viele Erstveröffentlichungen, auch schreiben zeitgenössische Autoren Originaltexte für dieses Buch. Das Verhältnis zwischen lebenden und nicht mehr lebenden Autorinnen und Autoren wird ausgewogen sein. In jedem Beitrag biografische Fotos.
Wallstein Verlag Ahasver, der Ewige Jude A1068568810
Eine kulturwissenschaftlich fundierte Darstellung des brisanten Themas in Text- und Bilddokumenten von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne. Es ist ein im kollektiven Gedächtnis fest verankerter Mythos: das Los des Ahasver, des Ewigen Juden, von dem erzählt wird, dass er dem auf dem Kreuzweg schmachtenden Christus die Rast missgönnt habe und dafür zu ewiger Wanderschaft verdammt worden sei. Die Wurzeln der Überlieferung reichen bis ins Mittelalter zurück, doch erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts beginnt der Stoff sein hohes Wirkungspotential zu entfalten. Ahasver wird zu einer plastischen und zugleich mirakulösen Figur, die ihren Siegeszug quer durch Europa antritt. Ein antijudaistischer Ton ist dabei nicht zu verkennen. Und auch wenn im Laufe der Zeit identifikatorische Formen der Aneignung den Mythos durchdringen, bleibt doch die Gefahr judenfeindlicher Aktualisierung präsent, wie nicht zuletzt die NS-Propaganda zeigt. Das Buch verfolgt die ebenso erstaunliche wie ungeheure Karriere dieser Figur von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne, wobei das Augenmerk vor allem den brisanten Dokumenten des deutschen Kulturraums gilt. Ob Goethe, Heine, Wagner oder Celan – sie alle sind Stimmen eines Chors, der gerade in seiner Dissonanz bezeugt, dass Mythos und Protagonist das Schicksal teilen, nicht sterben zu können.
Edition text + kritik Kleine Formen literarischer Prosa
Die kleine prosaische Form ist die Verwandlungskünstlerin unter den literarischen Textsorten. Zu allen Zeiten beliebt, trägt ihr Formenreichtum in den fünfziger Jahren zur Vielgestaltigkeit und Buntheit des literarischen Feldes bei: Sie fächert sich in Aphorismus und Witz auf, in Anekdoten und Offene Briefe, Grotesken und Gutachten, Feuilletons und Kurzgeschichten. Manch formvollendeter kurzer Text gibt sich den Anschein, als sei er mit leichter Hand so nebenbei notiert, andere dienen der gewichtigen Intervention oder gefallen sich im Bereitstellen metapoetischer Substrate. Ein ausgewiesener Meister der kleinen Form ist Kurt Kusenberg. Seit den 1940er Jahren waren seine "Magischen Bagatellen" erfolgreich, doch hält sein Fundus weit mehr als skurrile Erzählungen bereit. Eine Auswahl seiner nachgelassenen Werke stimmt auf das ein, womit der zweite Teil des Bandes aufwartet: Untersuchungen zu Heimito von Doderers "Repertorium", zu versteckten Geschichten in Erhart Kästners Reisebüchern, zu Wolfgang Hildesheimers "Lieblosen Legenden" und Bertolt Brechts "domesticum", zum Werdegang des Aphoristikers Max Rychner, zu dem für das Werk Paul Celans höchst ungewöhnlichen "Gegenlicht-Zyklus, zu Heiner Müllers virtuos elaboriertem "Vater"-Fragment und Heinz Erhardts launigen Conférencen und anderem mehr.
Königshausen u. Neumann Das Spektrum der modernen Poesie
Das vorliegende Spektrum der modernen Poesie stellt (in Teil I sowohl wie in Teil II) „exorbitante“ Texte der modernen Lyrik in der Form einer Abfolge textnaher Interpretationen vor. Nach der Einleitung und der Skizzierung der Vorgeschichte der Moderne in der deutschen Romantik und im französischen Symbolismus werden in Teil I - als Epochen bzw. Strömungen - Impressionismus, Imagismus, Expressionismus und Dadaismus vorgestellt und – neben anderen - die Autoren Nietzsche, Hofmannsthal, George, Rilke, Stramm, van Hoddis, Schwitters, Trakl, Benn und Brecht präsentiert. H. H. Hiebel führt in seinem „Spektrum“ die ‚Farben’; d. h. Formen bzw. Spielarten, der modernen Lyrik vor und dies in weitgehend historisch-chronologischer Perspektive. (Teil II geht auf die Rezeption der außerdeutschen Moderne ein, auf Eliot, Pound, W. C. Williams, E. E. Cummings, Apollinaire, Cendrars, Lorca, Ungaretti, Beckett u.a.) und erörtert - neben anderen - Gedichte von G. Eich, Ilse Aichinger, Erich Fried, Hans Magnus Enzensberger, Paul Celan, Peter Rühmkorf, Günter Kunert, Reiner Kunze, Hans-Ulrich Treichel, H. Heißenbüttel, Eugen Gomringer, Franz Mon, H. C. Artmann und Ernst Jandl.)