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Verbrecher Literatur im politischen Kampf
Selten in der Geschichte haben sich so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller an einer Aufstandsbewegung beteiligt wie bei der Münchner Räterepublik im April/Mai 1919. Autoren wie Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer waren Protagonisten der Bewegung. Auch Schriftsteller wie der Dramatiker Georg Kaiser, der Lyriker Alfred Wolfenstein sowie die (späteren) Romanciers Oskar Maria Graf und Ret Marut (alias B. Traven) nahmen lebhaften Anteil. Hatten sich bis dahin viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller, zumeist bürgerlicher Herkunft, fast sämtlich von der Kriegseuphorie mitreißen lassen, entstand nun ein neuer Typus gegenwartsbezogener und arbeiterbewegungsnaher politischer Autorinnen und Autoren. Nach einem Blick auf die Ereignisse während der Münchner Räterepublik und den Anteil der Autorinnen und Autoren daran wird diskutiert, welche Bedeutung der Literatur in der Folge beizumessen war und ist. Im Zentrum steht die Frage, wie Autorinnen und Autoren heute sinnvolle Beiträge mit den ihnen eigenen Mitteln leisten können, um etwa der Bedrohung von rechts und den gesellschaftlichen Prekarisierungstendenzen entgegenzuwirken, die den Auftrieb der Rechten befördern.
In seinem Buch klärt Fabio De Masi auf über die Ursachen von Finanzkrisen, die Triebkräfte hinter den jüngeren Wirtschaftsskandalen und die geopolitischen Schlachten um die Kontrolle der weltweiten Finanzströme im Internet. Er gewährt dabei auch Einblick hinter die Kulissen von politischer Arbeit und Untersuchungsausschüssen und in seine eigene Motivation, Wirtschaftskriminalität zu stoppen und für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Und er erklärt im Detail, was jetzt getan werden muss, um Wirtschaft und Demokratie vor Finanzkriminellen zu schützen. Ob Wirecard-Skandal, Luxemburg Leaks, Cum-ex-Geschäfte der Warburg-Bank oder Steuertricks von Konzernen – wie kein anderer kann Fabio De Masi erklären, wie Steuerbetrug, Geldwäsche, Bilanzskandale und andere Finanzverbrechen funktionieren. Am Beispiel von Wirecard geht er zudem der Frage nach, welche Rolle Staats- und Geheimdienstinteressen dabei spielen. Und am Beispiel der Warburg-Bank beschreibt er eine unheilvolle Allianz von Banken und Politik sowie die Mühsal der Aufklärung bis hin zu den Erinnerungslücken eines Bundeskanzlers. Ein Buch, das hilft, die oft undurchschaubar wirkende Finanzwelt ein Stück besser zu verstehen.
Fjodor M. Dostojewski: Verbrechen und Strafe. Raskolnikows Schuld und Sühne Erstdruck: In: Russkij vestnik, Petersburg, Januar bis Dezember 1866. Hier nach der Übers. »Verbrechen und Strafe« v. Alexander Eliasberg, Potsdam: Gustav Kiepenheuer Verlag, 1924. Vollständige Neuausgabe. Großformat, 190 x 270 mm Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2015. Textgrundlage ist die Ausgabe: Dostojewski, Fjodor: Verbrechen und Strafe. Übers. v. Alexander Eliasberg, Potsdam: Gustav Kiepenheuer Verlag, 1924. Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Bildes: Vladimir Makovsky, Der Häftling, 1882. Gesetzt aus Minion Pro, 11.5 pt.
Kekeli lebt in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Ihr Leben verläuft gleichförmig und angepasst, bis ihre undurchschaubare Cousine Afi aus Togo zu Besuch kommt und Kekeli sich plötzlich mit vielen Fragen der Zugehörigkeit konfrontiert sieht. Zudem wird sie von ihrem Mitschüler Kwame eingeladen, gemeinsam für die »Pamoja Society«, einer Gruppe von kreativen, afro-deutschen Jugendlichen, bei einem Doku-Film über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland mitzuarbeiten und dafür nach Berlin zu fahren. Auf einem Roadtrip mit Afi, Kwame und dessen Bruder Kofi stößt Kekeli auf ein beklemmendes Familiengeheimnis, das sie aus der Bahn wirft. Und das während sie sich immer mehr in Kwame verliebt. In ihrer besonderen und klaren Sprache erzählt Jessica Mawuena Lawson die Familiengeschichte ihrer aufgeweckten und sympathischen Protagonistin Kekeli und lädt ihre Leser*innen ein, sich von der Pamoja Society mitreißen und von Afrobeats und Poesie begeistern zu lassen.
Als Ipek für ein verlängertes Wochenende ihren Vater besucht, weiß sie, dass er auf dem Bahnhofsplatz im Auto auf sie warten und sie nicht am Zug empfangen wird. Im Elternhaus angekommen sitzt sie in ihrem früheren Kinderzimmer, hört ihn im Garten, im Haus, beim Teekochen. Die Nähe, die Kind und Vater verbunden hat, ist ihnen mit jedem Jahr ein wenig mehr abhandengekommen, und mit der Nähe die gemeinsame Sprache. Ipek ist Journalistin, sie hat das Fragenstellen gelernt, aber gegenüber dem Schweigen zwischen ihr und dem Vater ist sie ohnmächtig. Dilek Güngör beschreibt die Annäherung einer Tochter an ihren Vater, der als sogenannter Gastarbeiter in den 70er Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam. Sie erzählt von dem Versuch, die Sprachlosigkeit mit Gesten und Handgriffen in der Küche, mit stummem Beieinandersitzen zu überwinden. Ein humorvoller wie rührender Roman über eine Vater-Tochter-Beziehung, mit der sich viele werden identifizieren können.
Aus dem Kroatischen von Alida Bremer In "Mars" zeigt Asja Bakic eine Reihe einzigartiger Universen, in deren Mittelpunkt Frauen stehen, die vor die Aufgabe gestellt sind, der seltsamen Realität, die sie erleben, einen Sinn zu geben. Eine Frau wird von Tristessa und Zubrovka aus einer Art Vorhölle befreit, sobald sie eine Aufgabe erfüllt. Eine Meisterin der Täuschung wird mit jemandem konfrontiert, der ihr Geheimnis kennt. Eine Schriftstellerin soll einen Bestseller unter Pseudonym geschrieben haben, woran sie sich jedoch nicht erinnern kann. Abby scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben, und doch weiß sie, dass mit ihrem misstrauischen Ehemann etwas nicht stimmt. Eine weitere muss auf dem Mars über ihr Verbrechen reflektieren, Autorin zu sein. Nicht nur das inhaltliche Konzept der Erzählungen ist beeindruckend, sondern auch die Methode: Gekonnt verwebt sie in das klassische Erzählmuster Elemente aus der Genre-Literatur - Horror, Science-Fiction und Fantasy. Entstanden sind so spannende, oft humorvolle Geschichten, die emanzipierend sind, ohne in politische Agitation zu verfallen. Publishers Weekly kürte die amerikanische Ausgabe von "Mars" 2019 zu einem der 25 besten Büchern des Jahres in den USA der Kategorie Belletristik. Die Herausgabe dieses Werks wurde durch das Literaturnetzwerk TRADUKI gefördert.
Manja ist 17 Jahre alt und lebt im Leipzig der 1980er Jahre. Ihre beste Freundin Maxie und sie schwänzen die Schule, brechen in Schrebergärten ein und treffen sich im Freibad oder auf dem Rummel mit Jungs, bis Manja im Zimmer des Vertragsarbeiters Manuel von der Volkspolizei erwischt wird und auf die Venerologische Station für Frauen mit Geschlechtskrankheiten kommt. Eingewoben in den Roman sind auch Erlebnisse von Lilo, die in den 1940er Jahren an diesem Ort festgehalten wurde, da sie mit ihrem Vater für den kommunistischen Widerstand gearbeitet hat, und der Sozialarbeiterin Robin, die in den 2010er Jahren in diesem Haus - nun eine Unterkunft für Geflüchtete - tätig ist. Der Roman »Herumtreiberinnen« erzählt die Geschichten von drei jungen Frauen aus verschiedenen Zeiten und stellt die Frage, welchen Einfluss diese Zeit und die jeweilige Staatsform auf ihre Leben hatten. Ein Haus in der Leipziger Lerchenstraße ist das verbindende Element der drei Erzählstränge.
Galt Popmusik einst als Medium der Emanzipation, scheint davon spätestens seit dem 7. Oktober nicht mehr viel übrig zu sein. Musiker*innen unterschreiben offene Briefe und Statements, die das Massaker der Hamas verharmlosen. Es wird zu Boykotten aufgerufen, Konzerte werden zu israelfeindlichen Kundgebungen. Das Massaker der Hamas war auch ein Angriff auf die Welt der Musik, auf Emanzipation und Freiheit. Die Weigerung weiter Teile der Popmusik, dies anzuerkennen, ist ebenso bemerkenswert wie die Selbstdarstellung einiger Musiker*innen als Freiheitskämpfer*innen. Maria Kanitz und Lukas Geck sehen den 7. Oktober als Anlass, antisemitische Entgleisungen in der Popkultur genauer unter die Lupe zu nehmen. Anhand zahlreicher Beispiele aus den letzten Jahren – etwa Roger Waters, Kanye West oder Macklemore – zeigen sie, in welchem Ausmaß Antisemitismus mittlerweile ins popkulturelle Repertoire eingesickert ist. Sei es die Unterstützung von Boykottkampagnen, Verschwörungsmythen in Liedern oder Konzerte bekannter Rockmusiker, in denen Musik lediglich der Verbreitung antisemitischer Propaganda dient. Bekannte nationale und internationale Musiker*innen nutzen ihre Reichweite, um ihren Hass auf Jüdinnen und Juden oder ihre Bewunderung für Hitler zu verbreiten. Im Ergebnis zeigen sie, wie breit und bereitwillig Antisemitismus popkulturell zelebriert wird.
"Die Verbrechen der Liebe" ist eine wegweisende Sammlung von Erzählungen, in denen Marquis de Sade die dunklen Abgründe menschlicher Leidenschaft und gesellschaftlicher Moral lotet. Mittels einer präzisen und zugleich provokanten Prosa enthüllt Sade Geschichten von Schuld, Sühne, Tugend und Laster, die tief in die psychologischen und philosophischen Dimensionen menschlichen Handelns eindringen. Entstanden im Übergang vom Ancien Régime zur Moderne, spiegeln die Erzählungen sowohl den literarischen Geist der Aufklärung als auch eine schonungslose Kritik an Heuchelei und Konventionen wider. Sades ausgefeiltes Erzählniveau verbindet satirische Elemente mit tragischer Dramatik und stellt die individuelle Freiheit erbarmungslos ins Zentrum der narrativen Reflexion. Der Marquis de Sade, eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Literaturgeschichte, schöpfte in seinem Schaffen aus eigenen Erfahrungen als Außenseiter und Gefangener. Seine Werke - geprägt von intellektueller Radikalität, politischer Unangepasstheit und entschiedener Ablehnung gesellschaftlicher Zwänge - richten sich gegen die moralischen und rechtlichen Normen seiner Zeit. Sade verstand es, schockierende Stoffe nicht zur bloßen Provokation, sondern zur tiefgreifenden Analyse menschlicher Natur einzusetzen. Allen, die nach einer literarisch anspruchsvollen und zugleich kontroversen Auseinandersetzung mit den dunklen Trieben und Leidenschaften des Menschen suchen, sei "Die Verbrechen der Liebe" ausdrücklich empfohlen. Das Werk eröffnet neue Perspektiven auf Moral, Schuld und Freiheit und verführt durch seine intellektuelle Kühnheit sowie erzählerische Brillanz zu einer nachhaltigen, kritischen Lektüre.
Der junge Javier Torzek steht mit seiner Mutter Mirabel im Winter 1978 im Hamburger Hafen. Beide werden mit einem alten Frachter nach Venezuela fahren. In ein Land, dem Mirabel vor zwanzig Jahren unfreiwillig den Rücken kehrte, um in Deutschland einen wichtigen Punkt im Familien plan zu erfüllen – sich einen wohlhabenden Mann zu angeln. Stattdessen heiratete sie den mittellosen Deutschlehrer und Journalisten Hanns Torzek. Ihre chaotische Beziehung ist der Kern der Narration in Manuel Karaseks Roman »Mirabels Entscheidung«. Denn ihre Ehe erweist sich als ein Spiegel der Wünsche von Individuen in modernen Gesellschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide versuchen, auf unterschiedliche Weise das grundlegende Gefühl von Fremdheit abzulegen und im Zuordnungssystem des Sozialen ihren Platz zu finden. Hintergrund dieses Prozesses bildet die Geschichte der BRD und Venezuelas. Hier das wohlhabende, hochmoderne Industrieland, in dem Hanns Karriere machen wird. Dort eine junge lateinamerikanische Gesellschaft, die das unerwartete Geschenk ihres Erdölreichtum allmählich als Fluch begreift.
Tödliche Mutterliebe - Die letzten Szenen einer Ehe - Tod im Vorüberfahren: Spannende Kriminalfälle wie diese beschreibt Sabine Rückert im Buch zum beliebten Podcast Zeit Verbrechen . Dabei erweckt sie sachliche Gerichtsurteile zum Leben, stellt Fragen an unsere Gesellschaft, nimmt das Justizsystem genau unter die Lupe und beschäftigt sich intensiv mit Kriminalpsychologie. Vor allem aber sieht sie immer die Menschen hinter einem Fall - ob Täter oder Opfer. Lehrreich und aufrüttelnd!
Nach ihrem Roman „Die Sommer“ – der erste Gedichtband von Ronya Othmann „wir werden die detonation rückwärts lesen.“ Die Wörter können viel im langerwarteten ersten Gedichtband Ronya Othmanns. Sie kennen keine Grenzen für Zeiten, Begehren und Nationen. Sie bergen und betrauern die verschütteten Geschichten des Lebens zwischen allen Konventionen und Kulturen. Widerständig und zugleich an jeder Stelle ungeschützt und intim tragen diese existenziellen Gedichte einen neuen Ton in die Gegenwart. Die menschenverachtenden Verbrechen der Welt und das pure Glück, die Fremde des eigenen Lebens und das nie endende Heimweh finden zusammen in all dem „wovon du weißt, wenn du deine augen schließt“.