gutes, aber nicht sehr gutes, Upgrade, teuer und viel verschenktes Potenzial
Der Echo Show 21 ist da. Endlich ein noch größerer Echo Frame, äh Show, genau das was man sich damals zur Einführung des 15 gewünscht hat.
Und wenn das Teil erst einmal angekommen ist, wird man sogleich überrascht, von der Größe und dem Gewicht. Damit hatten wir, angesichts von "nur" 6 Zoll mehr nicht gerechnet. Ausgepackt und neben den 15er gestellt ergeben die Abmessungen dann aber Sinn.
Und ja, die Größe ist toll, die FireTV-Integration macht nun noch mehr Sinn, als kleiner TV sind 21 Zoll einfach der bessere Kompromiss. Was auch immer man nebenher laufen lassen möchte, hier drauf macht es mehr Spaß. Und das dann auch wegen des deutlichen Upgrades an der Audio-Front. Damit kann man auch mal Musik anwerfen, der Wunsch nach der Möglichkeit ein Echo Stereo-Set mit dem 21er zu koppeln verschwindet erst einmal.
Irgendwie war es das dann aber auch schon mit den spürbaren Vorteilen. Ja das Display ist groß, aber auch hier haben wir nicht das hellste Panel und auch nicht das farblich akkurateste, was schade ist, denn der Bilderrahmen-Modus gefällt, wieder angesichts der Größe, trotz seiner rudimentären Umsetzung nach wie vor.
Rudimentäre Umsetzung bringt uns zu den Nachteilen. Die Schwachstelle aller Echo Show-Geräte ist nach wie vor die Software. Zwar gibt es Widgets und man kann diese anordnen, aber seit Erscheinen des ersten Echo Show hat sich hier an der Menge und Qualität nicht viel getan. Wer Einkaufsliste, To-do und Notizen in anderen Apps nutzt, Musik nicht von Amazon Music streamt und seinen Kalender nicht synchronisieren kann, wird vielleicht auch Probleme bekommen überhaupt genug brauchbare Widgets zu finden. Wir können ja nun immerhin, dank des großen Screens, mehr Widgets auf den Screen bringen, aber nach wie vor nur ein XL-Widget, obwohl Platz für mehrere wäre.
Aber eigentlich möchte man gern wenigstens den Platz für die Widgets ausreizen, denn sonst gibt es auf dem Screen primär Werbung, oder eben den Bilderrahmen-Modus der ständig neu gestartet werden muss.
Auch bleibt das mittlerweile leicht altbacken wirkende UI-Design weitestgehend sehr simpel und Platz-verschwenderisch, inklusive suboptimalen Schriftarten und viel Leerraum, welcher in 21 Zoll noch sehr viel deutlicher auffällt. Vielleicht rächt sich auch langsam, dass man bei 21" nicht auf 4k umgestiegen ist?
Basic Anpassungs-Möglichkeiten wie Themes oder wenigstens einen Dark-Modus sucht man natürlich immer noch vergebens.
Es wird Zeit für ein komplettes UI-Redesign Amazon, und wenn es nur eine Angleichung mit dem Echo Hub ist. Die derzeit verwendete UI war damals gut für Echos der Größen 5 bis 10 Zoll, schwächelte bereits sehr deutlich bei 15 Zoll, aber passt nun noch weniger zu 21 Zoll.
Die umfassende Smarthome-Steuerung gibt es nach wie vor nicht, wir bekommen immer noch nur das eine Widget für die favorisierten Geräte, und den Überblick über das Top-Down-Menü, was bereits zu langsam erreichbar ist. Auch gibt es immer noch nur Zugriff auf Lampen, Steckdosen und Kameras. Mehr geht nicht, und wer sich einmal den Echo Hub angeschaut hat, wird sich zwangsläufig fragen, warum diese Form von Smarthome-Steuerung nicht auch auf dem Echo Show 21 und 15 umgesetzt wird. Für die zweite Generation hätte man das erwarten dürfen, der große Screen schreit nahezu danach.
Aber es gibt ja noch den FireTV-Modus, und auch wenn ich es nach wie vor unglücklich finde, dass wir immer zwei mehr oder weniger unabhängige und schlecht miteinander verschmolzene Oberflächen haben, zwischen denen wir umher schalten müssen, passiert hier mittlerweile das meiste auf meinem Echo Show 15 und nun auch dem 21. Nach wie vor unglücklich ist, dass hier Apps im AndroidTV-Modus laufen und nicht etwa im Tablet-Modus, der Touchscreen wird dadurch nicht genutzt, und man muss mit der Fernbedienung oder Bildschirm-Fernbedienung herum-hantieren. Letzteres ist dann fast schon ironisch zu sehen.
Ein paar sinnvolle Funktionen kann man hier aber dennoch ergänzen, und so dem Echo Show so mehr Nutzen abringen, als schicken Zweit-Monitor mittels Spacedesk vielleicht, oder als Client für den lokalen Streaming-Server oder Moonlight, als digitaler Bilderrahmen oder zum Berieseln lassen mit "Content". Das ein oder andere ist da noch zu finden, um das Potenzial etwas mehr auszureizen.
Angesichts des Preises, für den man bereits einen deutlich größeren 4k-TV mit besserem Panel und AndroidTV, oder auch ein Tablet, kaufen kann, sieht es irgendwie recht dünn aus mit überzeugenden Gründen. Wenn mich jemand fragen würde, warum er sich so einen Echo Show kaufen soll, würde es mir schwer fallen zum Verkäufer zu werden. Klar, das Teil sieht toll aus, aber die anfängliche Magie von Alexa ist ein wenig verblasst und wurde in Sachen KI komplett überholt. Nennenswerte Feature-Updates sind eine Seltenheit, die eingebauten Funktionen bleiben oft sehr rudimentär. Der Bilderrahmen-Modus beispielsweise ist meilenweit von zeitgemäßen Dia-Show-Apps entfernt und kann bei weitem nicht mit dem Funktionsumfang eines Frameo-Rahmens für unter 50EUR mithalten. Dabei sehen Fotos auf dem Echo Show 21 schon verdammt gut aus, und wären die Teile günstiger könnte man sich auch eine Bilderwand mit mehreren vorstellen.
Der Screen selbst wird auch nach zwei Jahren eben nur halbherzig für Assistenz-Funktionen und rudimentäre Widgets genutzt. Zur Einführung des ersten Echo Show 15 hatte ich noch Hoffnung, dass Amazon nachlegt und Fremdhersteller motivieren kann, aber nun steht die zweite Generation vor mir, und wirklich viel hat sich nicht getan seit Tag Eins.
Negativ anzumerken, ebenfalls mit dem Preis im Hinterkopf, ist, dass keinerlei Standfuß mitgeliefert wird, und die einzige offizielle Option den Gesamtpreis auf rund 550EUR anhebt. Die Fernbedienung ist natürlich nicht Amazons beste Fernbedienung und bis auf die Größe des Screens und die Lautsprecher gibt es keine spürbaren Hardware-Upgrades. Technisch bewegen wir uns damit definitiv nicht auf High-End-Level, und auch nicht auf dem Level den man für 440EUR erwarten könnte. Selbst Amazons eigene Tablets sind performanter, aber gleichzeitig deutlich günstiger.
Das System reagiert nach wie vor nur "relativ" flüssig, auch die nervigen kleinen Denkpausen gibt es immer noch ab und zu, und nutzt man den FireTV-Modus wird man beim wechseln zwischen Apps und den beiden Oberflächen schnell merken, dass auch hier wieder beim RAM gespart wurde.
Die Webcam ist vorhanden und funktioniert, aber ist nun auch nichts worüber man besonderes Lob verlieren könnte, wie beim Echo Show 15 der ersten Generation eben, leider auch mit wenig Nutzen, denn die Möglichkeiten Video calls zu tätigen sind viel zu beschränkt und natürlich gibt es keine Integration mit Ring in dieser Richtung.
Die Stromversorgung ist nach wie vor extern gelöst, was angesichts der Geräte-Dimensionen auch anders gegangen wäre, und der Micro-USB-Anschluss ist auch wieder da. Auch wenn der veraltet ist, will ich darüber nicht meckern, denn immerhin kann man hiermit Ethernet und Storage ergänzen.
Bleiben darf der Echo Show 21 aber trotz aller Kritik, die Hardware ist nach wie vor ein gutes, aber nicht sehr gutes, Gesamt-Paket, trotz des Sparstifts an falschen Stellen und der großen Wunschliste, die man unweigerlich haben wird. Die Software lässt noch sehr viel mehr zu Wünschen übrig, hier wird unglaublich viel Potenzial verschenkt.
Die kleinen Dinge die Alexa und die Show-Geräte aber können, können sie sehr gut und hat man dann noch ein paar Apps gefunden die im FireTV-Modus laufen, oder möchte man einfach nur häufig in der Küche streamen, dann kann der Echo Show seine Daseinsberechtigung und tägliche Nutzung finden, mit einem Auge zugekniffen, eben weil er schon toll aussieht und in der 21 Zoll Version perfekt in so manche Ecke passt.